weired dream

Der Träumer spurtete zielstrebig zur Haltestelle, wo die Straßenbahn bereits mit laufenden Motoren stand.
Er wollte ins Zentrum.In letzter Sekunde erreichte er den vollbesetzten Wagen.
Viele junge Menschen drängelten im Gang und schnatterten lebhaft von Belanglosigkeiten.
Der Träumer schob sich kurzerhand ein Kaugummi hinter die Kiemen.
Als sich der Wagen in Bewegung setzte, hing er noch halb aus der offenen Türe heraus.
Zwei Mädchen zogen ihn flink an Bord.Danke, zischte er übers Kaugummi hinweg.
Der Innenraum war so überfüllt, das es kaum möglich war sich zu bewegen.Er ließ daher seinen Blick nach draußen schweifen.
Die vorbeiziehenden Fassaden und Vorgärten kamen ihm fremd vor.
Schnell stellte sich ein Unbehagen ein, ja eine Unruhe gar.
Warum hält diese Straßenbahn denn nirgends an ? fragte er sich zunächst im Stillen,
später dann etwas hysterisch eine Mitreisende.
Dies ist doch ein Direktzug , erwiderte die Frau. Ein Direktzug !?
Statt zum örtlichen Hauptbahnhof ging es nun nach irgendwo und das mit einem Affenzahn.
Die zunächst so harmlos aussehende Straßenbahn hatte sich verwandelt oder vielleicht war sie zuvor auch nur getarnt.
Von Panik ergriffen, versuchte er einen Fluchtweg ausfindig zu machen.
Die kleinen Bahnhöfe durch die der Zug nun raste, waren ihm alle unbekannt.
Er beschloß daher einfach, bei der nächsten Gelegenheit, den Versuch zu wagen aus dem Abteil zu kommen.
Ein paar hundert Meter hinter einem Dorfbahnhof, mußte der Schnellzug schließlich wegen einer defekten Schranke anhalten.
Einige Frauen versuchten den panischen Träumer zu beruhigen.
Der jedoch drängte, kaum stand der Zug still, mit aller Kraft zum Ausgang.
Es war ihm nicht möglich sich verständlich auszudrücken, da das Kaugummi mit zunehmender Angst immer größer wurde.
Eine blonde etwas zerzaust aussehende Studentin versperrte ihm den Weg ins Freie.
Seine Hände glitten blitzschnell an ihr vorbei und geschickt hatte er die Tür geöffnet.
Die Blondine stand bewegungslos vor Schreck im Weg.Der Träumer schubste sie dreist mit hinaus.
Kaum hatten sie festen Boden unter den Füßen, setzte sich die Bahn wieder in Bewegung.
Die Studentin musterte den Träumer verstört.Es war warm und die Sonne schien.
Der Bahnhof strahlte die Verlassenheit einer Westernkulisse aus.
Man hörte die Grillen zirpen und ein oder zwei Vögel kündigten ein nahendes Gewitter an.
Der Träumer merkte wie die Angst immer noch proportional zur Größe des Kaugummis in ihm pochte.
Das Mädchen sah seine Not und versuchte ein gequältes Lächeln zustande zu bringen.
Außer ihnen war keine Menschenseele in der Nähe.Die Hand des Träumers glitt nun zittrig zu seinem Mund.
Er fummelte die Substanz aus der Mundhöhle heraus.
Mittlerweile hatte das rosarote Kaugummi die Größe eines Tennisballes angenommen.
Der Träumer schaute erleichtert die klebrige Masse an.
Als er es so in der Hand präsentierte, schrie die blonde Schönheit laut auf.
Ein grün schillernder großer Käfer klebte an dem rosa Ball und winkte ihr mit einem Bein zu.
Dieses Bild schien sich in Wellen aufzulösen und Druck machte sich bemerkbar.
Der Träumer sträubte sich für einen Moment die körperliche Not zu akzeptieren aber schließlich folgte er dem Ruf des neuen Tages.Auf dem Weg zur Toilette geisterten ihm noch einmal Fetzen seines Traumes durch den Kopf.Fragen wurden laut.
Ist der rosa Kaugummiball etwa das Bewußtsein ?
Was ist dann der Käfer ?
Kam das alles nur, weil ich vor dem Einschlafen an die Tänzerin aus dem Kafkastück gedacht habe ?
©
Reh Volution - 28. Jun, 12:32





















