Alltägliches

Samstag, 23. Dezember 2006

Oh when the saints ...

350px-All-Saints

Laut tuschelnd drängen sich die Leute um die Glühweinstände des Weihnachtsmarktes.
Ein fröhlicher Unterton begleitet mich auf dem Weg durch die Masse.Vom Karussel dringen Weihnachtsmelodien herüber.
Es ist zu warm für diese Jahreszeit doch kaum ist die Sonne verschwunden kann man kleine Wölkchen vor sich her pusten.
Kalt genug also für einen Punsch und einen Plausch im Freien.
Der Geruch von gebrannten Mandeln erinnert mich an vergangene Weihnachtsfeste.
In unserer Familie wurde meist turbulent gefeiert.Nach dem Essen gab es eine ritualisierte Bescherung nach der das eigentliche Fest erst richtig losging.Den ganzen Abend über kam Besuch vorbei.Die einen blieben länger die anderen nur auf ein Gläschen.Wieder andere blieben gleich über Nacht ...Mein Cousin und ich spielten Gitarre und sangen was uns gerade in den Sinn kam.Zu dem Lied 'Oh when the saints' flippten dann regelmäßig alle aus, was ein tolles Gefühl war.
Seit einigen Jahren feiern wir nicht mehr bei meinem Onkel im Haus.Die Feste sind beschaulicher geworden und die Gospelexzesse sind nun mehr legendäre Erinnerungen.Witzigerweise sind es genau die verrückten Nächte in dem kleinen Hexenhäuschen mitten im Wald die es mir angetan haben.
Dieses Jahr rückt die neue Kindergeneration in den Vordergrund.Sie kommen jetzt in das Alter in dem Weihnachten ein magisches Fest ist.Auf ihre Gesichter und Reaktionen freue ich mich daher besonders.Dennoch wünsche ich mir ein fabulös geschmettertes 'Oh when the saints' auf die alten Zeiten und allen die hier noch vorbeischauen eine verwunschene Weihnacht und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Sonntag, 26. November 2006

schritt für schritt

ein schritt nach dem anderen
fuß vor fuß setzen
das ist jetzt mehr denn je
eine übung der ich
mit aufmerksamkeit folge leiste
die luft wird rauher
rauschend fegt sie mir ins gesicht
schreien gleich hallt es in den ohren
einer reise gegen den orkan ähnelt das ende des studiums
ständig neue hindernisse
mit jedem herzschlag ein neuer schmerz
jahre verschwimmen zu zeitlosen ozeanen
kalt beißen die wörter gegenwärtiger äußerungen
so fühle ich wie der geschmack bitterer realität
nur langsam verfliegt
schritt für schritt

©

Mittwoch, 20. September 2006

stimmung

raserei tobt durch meine venen
ich genüge mir selbst nicht mehr
hänge ab von urteilen und entscheiden
verträumte zeit wo bist du geblieben
in watte gepackt kitzelt mich kaum etwas
versuchen endet in suchen
sprichwörter bedienen den pessimismus
aufgetürmt zu schwindelerregender höhe
die hürde zum ziel
du sollst und nein
ich will und ja
ich habe angst

©

Mittwoch, 28. Juni 2006

weired dream

gruener-kaefer

Der Träumer spurtete zielstrebig zur Haltestelle, wo die Straßenbahn bereits mit laufenden Motoren stand.
Er wollte ins Zentrum.In letzter Sekunde erreichte er den vollbesetzten Wagen.
Viele junge Menschen drängelten im Gang und schnatterten lebhaft von Belanglosigkeiten.
Der Träumer schob sich kurzerhand ein Kaugummi hinter die Kiemen.
Als sich der Wagen in Bewegung setzte, hing er noch halb aus der offenen Türe heraus.
Zwei Mädchen zogen ihn flink an Bord.Danke, zischte er übers Kaugummi hinweg.
Der Innenraum war so überfüllt, das es kaum möglich war sich zu bewegen.Er ließ daher seinen Blick nach draußen schweifen.
Die vorbeiziehenden Fassaden und Vorgärten kamen ihm fremd vor.
Schnell stellte sich ein Unbehagen ein, ja eine Unruhe gar.
Warum hält diese Straßenbahn denn nirgends an ? fragte er sich zunächst im Stillen,
später dann etwas hysterisch eine Mitreisende.
Dies ist doch ein Direktzug , erwiderte die Frau. Ein Direktzug !?
Statt zum örtlichen Hauptbahnhof ging es nun nach irgendwo und das mit einem Affenzahn.
Die zunächst so harmlos aussehende Straßenbahn hatte sich verwandelt oder vielleicht war sie zuvor auch nur getarnt.
Von Panik ergriffen, versuchte er einen Fluchtweg ausfindig zu machen.
Die kleinen Bahnhöfe durch die der Zug nun raste, waren ihm alle unbekannt.
Er beschloß daher einfach, bei der nächsten Gelegenheit, den Versuch zu wagen aus dem Abteil zu kommen.
Ein paar hundert Meter hinter einem Dorfbahnhof, mußte der Schnellzug schließlich wegen einer defekten Schranke anhalten.
Einige Frauen versuchten den panischen Träumer zu beruhigen.
Der jedoch drängte, kaum stand der Zug still, mit aller Kraft zum Ausgang.
Es war ihm nicht möglich sich verständlich auszudrücken, da das Kaugummi mit zunehmender Angst immer größer wurde.
Eine blonde etwas zerzaust aussehende Studentin versperrte ihm den Weg ins Freie.
Seine Hände glitten blitzschnell an ihr vorbei und geschickt hatte er die Tür geöffnet.
Die Blondine stand bewegungslos vor Schreck im Weg.Der Träumer schubste sie dreist mit hinaus.
Kaum hatten sie festen Boden unter den Füßen, setzte sich die Bahn wieder in Bewegung.
Die Studentin musterte den Träumer verstört.Es war warm und die Sonne schien.
Der Bahnhof strahlte die Verlassenheit einer Westernkulisse aus.
Man hörte die Grillen zirpen und ein oder zwei Vögel kündigten ein nahendes Gewitter an.
Der Träumer merkte wie die Angst immer noch proportional zur Größe des Kaugummis in ihm pochte.
Das Mädchen sah seine Not und versuchte ein gequältes Lächeln zustande zu bringen.
Außer ihnen war keine Menschenseele in der Nähe.Die Hand des Träumers glitt nun zittrig zu seinem Mund.
Er fummelte die Substanz aus der Mundhöhle heraus.
Mittlerweile hatte das rosarote Kaugummi die Größe eines Tennisballes angenommen.
Der Träumer schaute erleichtert die klebrige Masse an.
Als er es so in der Hand präsentierte, schrie die blonde Schönheit laut auf.
Ein grün schillernder großer Käfer klebte an dem rosa Ball und winkte ihr mit einem Bein zu.
Dieses Bild schien sich in Wellen aufzulösen und Druck machte sich bemerkbar.
Der Träumer sträubte sich für einen Moment die körperliche Not zu akzeptieren aber schließlich folgte er dem Ruf des neuen Tages.Auf dem Weg zur Toilette geisterten ihm noch einmal Fetzen seines Traumes durch den Kopf.Fragen wurden laut.
Ist der rosa Kaugummiball etwa das Bewußtsein ?
Was ist dann der Käfer ?
Kam das alles nur, weil ich vor dem Einschlafen an die Tänzerin aus dem Kafkastück gedacht habe ?

©

Donnerstag, 18. Mai 2006

Mensch , Mensch , Mensch...

Das Schweigen mit dem du mich strafen willst beschwert nicht nur mein Herz . es zieht den Raum zusammen und läßt kein Platz für Weite oder Licht.Ich sitze in dem von dir geschaffenen lautlosen Quadrat, starre fassungslos auf das Grau am Himmel und die kalten Blautöne um mich herum.Ein paar Vögel versuchen durchzudringen doch ich sehe nur wie sich ihre Schnäbel verziehen; kein Ton verläßt ihre Kehle.
FolterMEISTER hab Gnade und laß mich endlich wieder die Nuancen des Hörbaren erfahren.Die feinen Zwischentöne des Frühlings mit seinen Lockrufen und der ganzen Vielfalt enthusiastischer Freudenklänge.Laß meine Seele frei , sie sehnt sich so unendlich nach den Melodien des Lebens.Schatten der Vergangenheit hör auf in den tiefen des Labyrinths dein Unwesen zu treiben.

Ich erschrak förmlich als sich ihr puterrotes Gesicht vor meiner Nase auftat.Wild gestikulierend schien sie mir etwas mitteilen zu wollen.Doch nichts, rein gar nichts drang in meinen Gehörgang.Da geschah etwas Unerhörtes.Sie fuhr langsam aber bestimmt mit ihrer Hand an mein Ohr.Ihre Finger schienen sich zu einer Art Zange zu formen und mit einer geschickten Bewegung hatte sie mir etwas aus dem Ohr entfernt.

"Nimm doch bloß das verdammte Oropax heraus Opa ! Seit fünf Minuten rufen wir dich zum Frühstück ! Mensch , Mensch , Mensch..."

©

Sonntag, 18. Dezember 2005

Max Pain Teil 1

Jaegerhochsitz



Schon in frühen Jahren galt für Max die Devise : Alles kennenlernen,alles ausprobieren - neugierig auf Erscheinungen zugehen,nichts ignorieren.
Ein wahrer Draufgänger, der sich für keine Aktion zu schade wahr.So entstanden Anekdoten von Trinkgelagen mit Pariser Clochards,gestürmten Promifeten,Wanderungen auf Nehbergers Spuren,nicht enden wollenden Tänzen durch die ein oder andere Partyszene.
Kein Mensch schien ihm unerreichbar,jeder wurde gleichermaßen respektvoll behandelt,ohne Scheu vor Tabus oder Konventionen.
Es machte Ihm nichts aus alte und neue Freunde miteinander bekannt zu machen, auch wenn diese überhaupt nicht zueinander paßten.
Er stand zu den Menschen die er kennen lernte und schätzte.Wer mit ihm zu tun hatte mußte dies akzeptieren.
Ganz oder gar nicht - so oder so.
Menschen die verrufen ignorierte er genau wie seinen Ruf.
Er lebte seine Schwäche für laszive Frauen stets hemmungslos aus.
Wobei ich hier eine kleine Einschränkung machen sollte, denn Max war üchtern so lange er üchtern war.
Seine Liebschaften waren von neoromantischen Ausmaßen.
Teilweise hatte man den Eindruck er würde vor Liebesenergie die ganze Welt einnehmen können, um dann vor Enttäuschung und Schmerz am Rande der Selbstvernichtung zu taumeln.
Sein freundliches, aufgeschlossenes und naives Wesen brachte ihm viele Freunde aus allen gesellschaftlichen Schichten. Es störte ihn nicht, das sich auch Männer sexuell für ihn interessierten.Mit Charme und Humor konnte er die Annäherungen elegant auslaufen lassen.Kurz um, er saß fest im Sattel.
Im Laufe der Jahre jedoch fing er an die Abgründe der menschlichen Seele zu erforschen.
Sowohl seine eigenen, als auch die seines Umfeldes.
Wie kaum ein anderer trug er den Glauben an das Gute im Menschen in sich.
Diese naive Kraft ermöglichte es ihm immer tiefer in die dunklen Bereiche der Seelen zu gelangen, ohne auch nur ansatzweise Angst zu empfinden.Mit Kindesaugen schaute er auf die Aus- und Mißformungen von Geist.
Er fing an sich wie ein Schauspieler die Strategien und Verhaltensweisen der Menschen um ihn herum einzuprägen;sie zu benutzen. Unbeirrbar im Glauben gelang es Ihm immer häufiger die ein oder andere Seele zu erreichen.
Die Manipulation des Geistes schienen ihm gerechtfertigt.Basierend auf seinen psychosozialen Autoversuchen und seinen Beobachtungen tanzte er den Menschen die Lebensfreude in die Birne.Auch mir , ich gebe es zu -
Da der Mensch stets neue Herausforderungen sucht und vieles für Max nun gewöhnlich wurde, suchte er sich immer düstere Gemüter.Er hatte Kontakt zu Drogenabhängigen,Selbstmordgefährdeten,Sadisten,Perversen und anderen schwierigen Gestalten.Dabei stieß er auf Personen die sehr intelligent waren und seine naiven Denkbahnen früh durchschauten.Diese Menschen ermunterten Max immerzu seine eigenen Grenzen zu den dunklen Seiten seines Wesens zu überschreiten.Es entstand eine Art Spiel, denn Max war ja erfahrener Grenzgänger und stets in kontrollierten Bahnen unterwegs.
Seine Freunde und sein Familie hatten zunehmend Probleme seine merkwürdigen Anwandlungen nachzuvollziehen.Sie zogen sich zurück.Keiner von all den Menschen die Max zu seinen Freunden zählte erreichte ihn noch.Die Bindungen hielten nicht .
Max war zwar irritiert aber er verstand seine sogenannten Freunde auch gar nicht.In seinen Augen waren sie nur noch Verräter und undankbare Egomanen.Sein Schmerz schien ebenso grenzenlos, wie es seine Vergnügungssucht war.
Immer turbulenter, immer rasanter nabelte Max sich nun aus allen gesellschaftlichen Räumen ab.
Seine Vermutung, daß alle Menschen nach Macht streben,jeder den Schwächeren mißhandelt und alle nur sich selbst lieben bestätigte sich immer öfter in seinen skurilen Versuchen.
Die Fähigkeit Anderen Schwäche zu offenbaren, um zu spüren wie sie diese nutzen und zu Vergewaltigern mutieren, erfüllte ihn mit Bestätigungsgedanken.
Jede beobachtete Kleinigkeit bekam nun für ihn das Gewicht einer fundierten wissenschaftlichen Untersuchung.
Normalität gab es nicht mehr.
Fast täglich nahm Max erlösende Substanzen zu sich, um seine Verletztheit und die vermeintlichen Erkenntnisse ertragen zu können.Er dachte er habe nun alle Dämonen kennengelernt.
So zog er sich zurück und beschäftigte sich zunehmend mit sich selbst.Da er nie die Einsamkeit kennengelernt hatte wurde sein Weltschmerz noch zusätzlich gesteigert.
Vom Glauben abgefallen,von den Freunden verlassen,auf geistigen Abwegen verlaufen,klammerte er sich nun an das Netz- oder verfing er sich gar ?
Die Kommunikationsplattform der Gestrandeten,der vermeintlich schweigsamen Technokraten,der Onlinezocker,der Chatter und Blogger.
Die Heimat der Zahlen und der Programmierer, der Hacker und all der anderen User.
Der Ort, an dem jeder ein virtuelles Zuhause finden kann, sollte seine neue Forschungsstätte werden.
Sein Bild von der Welt mit der allergrößten Liebe zum Detail mühsam aufgebaut, wollte er nun Stück für Stück vergessen.Er tauchte hinab in das monotone Rauschen.Je einfacher das Muster seiner Bewegungen wurde, desto besser ging es ihm dabei.Das Paradies des Vergessens war spürbar nahe.Die existentiellen Notwendigkeiten wurden professionell auf ein Minimum reduziert.Max gelang es schon bald eine Onlinegemeinde zu finden.Hier tobte er sich aus fluchte und scherzte nun in einer neuen Spache. LOL,ROFL,BRB gehörten schnell zum neuen Sprachschatz.
Das unklomplizierte fest an starre Schemata gebundene Chatten, gepaart mit einigen Dosen Pils und anderen psychoaktiven Leckereien, ließen ihn die Welt da draußen schnell vergessen.

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Sun-ray - 1. Mai, 16:58
gefällt!!
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a.nonym - 1. Mai, 09:55
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Reh Volution - 30. Apr, 19:55
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pinolino - 30. Apr, 11:20
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Reh Volution - 30. Apr, 11:11
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