Kunst

Sonntag, 4. Mai 2008

Bewegung

ifones Berufung auf den Freiheitsbegriff bei Beuys hat mich zu folgendem Text bewegt :

@ ifone

ihre Affinität zu Beuys und seiner "Befreiungstheorie" hat mich überrascht und erfreut.
Ich selber habe viele Jahre bei einer Beuys Schülerin Malerei und Zeichnen studiert.
Angeblich soll er die mühsam erstellten Plastiken seiner Studenten eines morgens zertrümmert haben und dies mit den Worten dokumentiert, dieser Akt sei Kunst.
Die Art und Weise wie unsere Professorin versucht hat verkrustete Strukturen aufzubrechen waren nicht selten ähnlich rabiat.
Verunsicherungen, Verängstigungen und Hilflosigkeit und nicht selten Tränen waren die Folge.
Nur manchmal geschah eine Verwandlung. Dann fingen die Betroffenen an, die Welt mit den Augen von Entdeckern zu erforschen und es entstanden ganz bezaubernde Studien.
Die Geduld und den Idealismus eines Beuys hatte unsere Dozentin jedoch nicht.Bei uns gab es einen Numerus Clausus und eine Aufnahmeprüfung.
Hinzu kam die Grundmappe und die Examensmappe als Prüfinstanzen der Entwicklungsprozesse.
Die interdisziplinäre wissenschaftliche Auseinandersetzung hat allenfalls mal eine Semesterwoche auf freiwilliger Basis ausgefüllt.
Von Gleichberechtigung der Disziplinen an einem Erkenntnisprozess hab ich überhaupt nichts mitbekommen.
Der Kunst wurde jährlich mehr Geld gestrichen während den Wirtschaftswisenschaften oder eben den Steckenpferden der Uni das Geld zufloß um im nationalen und internationalen Wettbewerb mithalten zu können.So sieht die Realität aus.Wissenschaft funktioniert im Rahmen des Wettbewerbsprinzips.
Erkenntnisgewinnung ordnet sich demnach den finanziellen Möglichkeiten, die zunehmend auch von Wirtschaft und Industrie abhängig sind unter.Hinzu kommt die Studiengebühr die dann auch noch den Weg für Minderbemittelte versperrt.Die Idee von Beuys, der den Abbau des bestehenden egozentrischen Leistungsprinzips, wie es sich in Schule, Wirtschaft und Gesellschaft überhaupt findet durch die Freie Internationale Universität vorran treiben wollte und somit humanes Bewusstsein bilden wollte rückt in immer weitere Ferne.Wissenschaftler werden in meinen Augen dafür ausgebildet einen winzigen Ausschnitt zu beobachten und Besonderheiten in diesem winzigen Raum zu dokumentieren und bestenfalls in eine Form zu bringen. Diese Wissenschaftsräume werden immer spezifischer, immer kleiner, statt im Beuyschen Sinne größer zu werden.
Hinzu kommt dass spirituelle Moment. In ihren Ausführungen ifone schwingt so etwas wie Sehnsucht nach Gott mit. Diese Sehnsucht soll nun auch noch von der Wissenschaft gefüllt werden. Ich bezweifle ernsthaft das dieses Defizit von der Wissenschaft ausgefüllt werden kann und behaupte das jegliche Erkenntnis in Bezug auf Gott nur absurde Formen hervorbringen kann.
Gotteserfahrung löst auf, Wissenschaft formt.
Die Liebe allerdings und um es mit den Worten Beuys zu sagen die evolutionäre Kraft könnte sehr wohl in die Wissenschaft einfließen.
Für Beuys war alles mystisch.Die Funktionsweise einer Maschine genauso wie das Wachstum einer Pflanze.
Aus dieser Haltung heraus entwickelte er die Idee von der sozialen Plastik.In Anlehnung an Rudolf Steiner wollte Beuys damit einen neuen sozialen Organismus gründen.
Sein erweiterter Kunstbegriff, das jeder Mensch ein Künstler ist, bezieht sich darauf, das er die Gesamtheit der Menschen als einen Organismus sieht, eben als eine soziale Plastik.Jeder kann Gestalter einer lebendigen Substanz werden.Er stellt die Gleichung KUNST=KREATIVITÄT=MENSCHLICHE FREIHEIT auf.
Da Kunst also die einzige evolutionäre Kraft darstellt, setzte er darüber hinaus das LEBEN der KUNST gleich und die KUNST dem LEBEN.
Fluxus, Happening und Performance sind außer den Plastiken und Environments seine Ausdrucksformen.
Die Environments von Beuys kann der von ihnen erwähnte Henning Genz im übrigen nicht verstehen.
Er sagt von sich selbst :
"...umgekehrt kann ich mit den Environments des deutschen Künstlers Joseph Beuys (1921-1986) nichts anfangen. Die - sehr zahlreichen - Kunstkenner, die sie als schön bewerten, besitzen offenbar eine verinnerlichte Kennerschaft die mir fehlt."
Hier spricht ein Wissenschaftler über Beuys...
Obwohl er die tiefe der Idee fordert und eine möglichst deutliche Verwirklichung erwartet er Schönheit.
Für Beuys ist aber FORM = DENKEN und WILLE=CHAOS
Denken als Instrument zur Untersuchung und Erforschung der Welt. Quellpunkt der menschlichen Freiheit.
Diese Gedanken beschreibt Susanne Grabisch in ihrer Diplomarbeit (Erziehung zur Freiheit? Anmerkungen zum Humanismus im Werke von Carl R. Rogers und Joseph Beuys).
Sie beschreibt das der Wärmebegriff gesteigert wird zu geistiger oder evolutionärer Wärme.
Beuys setzt also LIEBESSUBSTANZ = EVOLUTIONÄRE WÄRME.
Daher verstehe ich auch die von ihnen beschriebene Zärtlichkeit in Beuys Werk.
Er will der Entfremdung entgegenwirken>"die Kälteplastik">da muß die Wärmeplastik hinein.
Beuys Zitat: " Das ist das, was in diesem geheimnisvollen Christusbegriff steckt."
Sein Allheilmittel ist die Provokation.
Provozieren meint Hervorrufen und dieser Prozess gleiche einer Auferstehung.
Er will durch Provokation Verhärtung lösen- den Weg zur Seele (unterbewusster Brennpunkt) freischaufeln.
Beuys will die dritte Kraft entfachen und meint damit Interesse schaffen.
Beuys:"Nur die Menschwerdung Christi vermittelt zwischen diesen Gegensätzen und erkennt den Menschen im vorgegebenen Rahmen auch schöpferische Fähigkeiten zu."
Suanne Grabisch : " Göttliche Allmacht bedeutet das Gegenteil von Freiheit, das Christentum erkennt dem Menschen aber einen freien Willen zu."
Ich glaube die göttliche Allmacht ist keineswegs das Gegenteil von Freiheit.Sie bewegt sich außerhalb der Formenwelt und ist somit Platzhalter und Antwort auf und für alles.Unfassbar indivduell -
Der freie Wille ist eine Spielwiese des Lebens, ein Geschenk, unprätentiös und wundervoll.
Da sie nur an Wirklichkeiten interessiert sind ifone werden sie meine Gedanken zu Gott wahrscheinlich langweilen.Ich schreibe sie nur auf, da ich durch psychotische Schübe Gotteserfahrungen gemacht habe und diese sich sehr wirklich manifestiert haben.
Nach diesen Erfahrungen sehe ich Künstler wie Warhol in einem anderen Licht.
Andy Warhol's Kunstproduktion irrt zwar interessiert an Chemie aber dennoch seltsam verhärtet durch den Raum.
Ideen bedeuten da NICHTS, da alles NICHTS ist.
Das Formlose frappiert ihn dermaßen, daß er alle Formen in einen Topf werfen will und diesem Sut dann die eine Formel entreißen will die für alle gleich-gültig ist.
Daher auch der Satz : "Ein vergeudeter Raum ist jeder Raum in dem Kunst ist."
Picasso hat in seinem Leben 4000 Meisterwerke geschaffen.Als Warhol das las versuchte er umgehend diese
Anzahl an einem Tag zu produzieren.Nach 500 Bildern beließ er es dabei weil es ihm dann doch zu lange dauerte.
"Ich glaube nämlich das jedes Bild dieselbe Größe und dieselbe Farbe haben sollte;...damit sie alle austauschbar sind."
Seine popligen Drogenerfahrungen führen dann zu so schlauen Sätzen wie :
"Übrigens, selbst wenn das Thema anders ist, malt man immer das gleiche Bild."
Ein weiteres Zeugnis seines Trugschlusses ist der Wunsch als Präsident Amerikas alle Leute miteinander zu verschmelzen - und wieder Einheitsbrei als Antwort...
Diese Reduktion auf die ultimative Formel ist wohl POP.
Zwar will er rechte Dinge im falschen Raum platzieren und falsche Dinge im rechten Raum aber im Grunde sehnt er sich nur nach dem einen großen leerem Raum.
Letztlich räumt er ein das er an seiner Philosophie scheitert.
Sein ganzes Wollen ist eine Abkehr vom Leben. Ich will das mal das Matrixsyndrom nennen.
Die Erkenntnisse die Warhole da preist reduzieren ALLES auf Einsen und Nullen.
Er will aber nicht in die Rolle des jungen Neo schlüpfen und den Raum überwinden.
Er will nur ein Loch in der Wand damit der Raum auf der anderen Seite einen Rahmen bekommt.
Inhalt ist für ihn banal und somit malt man immer das gleiche Bild eben Einsen und Nullen.Kitsch ?

"der sehnsucht dem kitsch der menschlichkeit zu entkommen
entspricht nur der krieg.">>> könnte auch von Warhol stammen...

Aber lassen wir Warhol seinen Uterus und das NICHTS nach dem er sich so sehnt und widmen uns lieber noch einmal Beuys der sehr viel mehr am Leben und am Individuum interessiert ist.
Bei Ihm führt Selbstverwaltung zu Freiheit im Geistesleben.
Die Freiheit in der Einheit kann konzeptionell gesehen in die Vielfalt übergeleitet werden. Er ist für direkte Demokratie. Er will das das Individuum die Liebe zur Sache entfacht. Zwischen Wille und Denken soll das Herz wirken und die Liebe zur Sache die einzige Veranlassung sein.
"Beuys versteht Freiheit als dynamischen Prozeß, in welchem Freiheit in dem Maße realisiert wird, in dem der Mensch fähig wird, die Welt und ihre Zusammenhänge zu erkennen: Frei handeln kann man nur aus der Erkenntnis...Christus zeigte dem Menschen den Weg zur Selbsterkenntnis und also zur Freiheit."
Die Rolle Christus ist für mich nicht entscheidend.
Die ausgelöste Bewegung fasziniert mich vielmehr.
Befreiung im Sinne Beuys ist dem Menschen die Möglichkeit zu geben schöpferisch tätig zu sein.
Das verschüttete kreative Potential des Menschen freilegen.
Kunst gleichsam als Befreiungspolitik.
Erst durch innere Freiheit können Orte geschaffen werden an denen man Freiheit Leben kann.
Klar ist dies Utopie -
Aber und das ist mir wichtig setzt Beuys beim Individuum und dessen Einzigartigkeit an.
Das Kollektiv - die Uniform - stellt in seiner Philosophie zwar eine Art Rahmen dar steht aber im Akt des künstlerischen Tuns zurück.
"Der Mensch, der sich als Individuum selbst bestimmt" formt die nächste Phase der Geschichte.
Innere Denkverbote aufheben und lernen in Freiheit zu leben - zur Freiheit provozieren.
"Der Schmerz des Menschen ist doch in der Erkenntnis zu definieren, und damit man in der Erkenntnis weiterkommt, bedarf es eines dauernden Schmerzes."
Nun liegt die Ära Beuys doch schon einige Jahre zurück und seine Ansätze sind ja leider auch nur sporadisch umgesetzt worden.
Die tatsächliche Entwicklung in der Bildungspolitik an Schulen und Universitäten läuft in eine ganz andere Richtung. Die Gewichtung der Fächer wird von unserer Wirtschaft bestimmt. Die Kunst,Theater oder Musik sind Appendixe des Systhems. Kunst als Mittel der Politik, so wie Beuys es sich vorgestellt hat, war nicht eben erfolgreich. Zwar mischen die Grünen hier und da auch mit, sind aber in ihren Inhalten weit von den Beuyschen Ansätzen entfernt. Die Provokation hat sicherlich viele Verkrustungen seit den Siebziger Jahren aufgebrochen. Erfolgreich im Sinne einer politischen Kraft ist die Kunst aber auch mit Hilfe der Provokation nicht geworden. Die Frage ist doch ob diese Anmaßung in Beuys Kunstdefinition nicht eine Überforderung darstellt. Gleichzeitig Religionsersatz, Befreiungspolitik, Wissenschaftskatalysator zu sein erscheint mir zumindest überfrachtet.
Ich glaube Kunst kann den von ihnen beschriebenen Druck gegen die private Zelle des Individuums reduzieren oder sogar gänzlich ableiten. Der befreeinde Prozess in der künstlerischen Auseinandersetzung besteht meines Erachtens darin, dass das Individuum Räume verbindet, Räume überwindet und neue Räume schafft.
In diesem Tun müssen Kräfte und Energien aufgenommen werden, ihre Bewegung durchdrungen werden und durch kreative Energie in Form gebracht werden.
Auf diesem Weg entzieht man sich dem Geschäft. Frau wie Mann wird zeitlos -
Der Telos, wenn ich dieses Wort überhaupt verstehe, liegt dann In der Bewegung.
Der Künstler je weiter er in seiner Entwicklung ist, vertsteht es zu bewegen, weil er aus der Bewegung heraus Zugang zu neuen Räumen eröffnet, er hilft Räume zu überwinden oder er verbindet.
Ihre Diskussion zu den Bienen hat mir gezeigt, das es ihnen egal ist wie die menschliche Hand in die Natur eingreift.Die technologische Entwicklung und die Wissenschaft entfalten sich im Raum Natur. Ihre Wirkung auf den Raum ist dem Menschen nicht klar und die Folgen menschlicher Bewegung im Raum Natur nimmt immer neue Formen an.
"Ein mysteriöses Bienensterben erschüttert die USA – und neuerdings auch Europa: Täglich verschwinden Zehntausende Insekten. Mittlerweile ist eine Milliarden schwere Industrie in Gefahr."
(ZEIT online 17.4.2007 - 17:48)
Diese Meldung fällt mir da sofort ein.
Ich kann nur darauf hinweisen das bei aller Erkenntnis und allem Fortschritt die Natur doch immer wieder der beste Spiegel menschlicher Bewegung ist.
Wie wir in den Spiegel sehen, mit welcher Haltung wir Gewinnung von Welt - wie sie sagen betreiben ist jedem selbst überlassen.
Beuys pflanzte Bäume andere würden vielleicht lieber einen Teil des Raumes Natur zerstören um zu provozieren.
In einem künstlerischem Experiment habe ich mit zwölf Asylbewerber/innen im Alter von 13-19 Jahren eine recht große weiß grundierte Leinwand bearbeitet.
Ich habe selber auch mitgemacht. Jeder hat eine Palette mit Farben gefüllt und einen Pinsel bekommen.
Die Teilnehmer haben sich dann einen quadratischen Raum auf der Leinwand mit Bleistift markiert.
Hat nun jemand seinen "Raum" beim Malen mit dem Pinsel verlassen, so musste derjenige in dessen Raum man wollte das Feld räumen und mit dem "Eindringling" tauschen.
Der Prozeß des Verlassens von Raum und des Eindringens in einen neuen Raum in dem bereits individuelle Formen entstanden sind war schwierig. Einige Teilnehmer weigerten sich vehement ihren Raum zu öffnen. Da mußte ich mit Nachdruck selber den Raum übernehmen und die "Vertriebenen" dazu auffordern mit meinem alten Raum vorlieb zu nehmen. Der respektvolle Umgang mit bestehenden Formen war ebenfalls nicht gewährleistet.
Die Frauen in der Gruppe haben jedoch mittels Kommunikation die Spannungen innerhalb der Gesamtgruppe auffangen können. Trotzdem wurde insbesondere die große Blume des "stärksten" Jugendlichen, der seinen Raum am längsten verteidigt hat, gerne zerstörerisch behandelt.
Die Situation ist aber nicht eskaliert und bevor die Räume unkenntlich geworden wären habe ich die Aktion abgebrochen.
Raeume
Das Bild hängt bei mir im Flur und spiegelt den Prozeß des Asyl suchens und findens, des Raum gebens und nehmens wieder.
Dieser Versuch hat mir auch gezeigt, wie schwer es ist respektvoll und mit Demut den bereits vorhandenen Formen in einem neuen Raum zu begegnen.
Diesen vorsichtigen Umgang insbesondere in Bezug auf die Formen (Prozesse/ Zusammenhänge) in der Natur sollte die Kunst kultivieren und anderen wissenschaftlichen Fachrichtungen mit auf den Weg geben.
Die Annäherung an die Form kann nur in der Bewegung stattfinden.
Die Überwindung, die Verbindung von Raum und das Erschaffen von Raum ist Bewegung.
Jedes Individuum hat die Fähigkeit dazu, was Beuys mit dem Satz "Jeder Mensch ist ein Künstler" ausdrückt.
Wissenschaft und Forschung nähern sich dem Prinzip Leben, der Form Leben anders als die Kunst.
Ihr JEDER (ihre virtuelle Uniform) ist Wissenschaftler und ein Forscher, erweitert den Satz von Beuys nur in dem Sinne, als das die innere Haltung des neugierigen Menschen eben die in der Kunst nötigen sein sollte.
Ich bin mir aber überhaupt nicht sicher ob diese innere Haltung in ihrem oder Beuys Sinne instrumentalisierbar ist.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Interface der Freiheit

Weitere Beiträge dieser Diskussion zum Freiheitsbegriff in Die Dschungel. Anderswelt.

@ ifone

Freiheit will nicht zukunftstauglich sein !
Sie ist ein Prozess in dem das Individuum seine eigenen Grenzen immer wieder neu definiert.
Dieser Prozess findet JETZT statt und nie in Zukunft.
Die gesellschaftlichen Vorraussetzungen, die existentiellen Grundregeln, bilden in dieser Entwicklung allenfalls nur so etwas wie die Schwerkraft.
Die Freiheit des Individuums gibt es in der Tat nicht. Der Grund dafür ist aber nicht eine ausgeträumte Utopie, sondernd die Begebenheit das Freiheit eben einen Prozess darstellt und keinen Besitz.
Sie sprechen von unseren Freiheitsgraden und meinen ihre eigenen.
Es gelingt ihnen nicht ihre zugegeben ästhetisch anmutende Wut in einem freien Prozess Form zu geben;
da sie ihre eigene kreative Freiheit gleich setzen mit der eines Anglers, Bungeejumpers oder Extrembergsteigers.
Dem Künstler aber obliegt es in diesem Prozess die Rolle des Entdeckers einzunehmen.
Dort wo sie von Pseudofreiheit schreiben meinen sie nicht die Begrenztheit der Phantasie oder der Kreativität, sondernd die Grenzen der von ihnen wahrgenommenen Realität.
Unsere Zeit ist zugegebener Maßen derart bedroht, dass ich durchaus nachvollziehen kann, wenn man nach kollektiven Lösungsansätzen strebt. Nur darf man die Dinge nicht verwechseln.
Sie sind auf der Suche nach einem Interface, das eine Verbindung von Individuum zu Individuum schafft und zwar mit der wütenden Begründung ihres Gedichtes .
Im Einklang mit den Naturwissenschaften soll so das Heil gefunden werden.
Das Individuum wird dann als Illusion begraben; der Mensch zur Funktion im Namen der Freiheit.
Das was sie da beschreiben lieber ifone ist der Tod und nicht das Leben. Die kollektive Vereinigung der Seelen und des Geistes ist für mich nur das Bild einer möglichen Existenz nach dem Tod.
Das Leben hingegen ist die Aufgabe die vermeintliche Leere, die Einsamkeit des ICH's mit allem zu füllen und zu bereichern was die Sinne mir erschließen.
Der Künstler übernimmt dabei eine besondere Rolle.
Die Formen die er schafft sind als schöpferischer Prozess zu verstehen. Sie sind Dokumente der Freiheit oder um es mit den Worten Klees zu sagen als Genesis, als Werden, als Wesen zu verstehen.
Nicht vollendet -
Der Forellenangler hat dieselbe existentielle Aufgabe, aber nicht dieselbe Verantwortung.
Ihr Vergleich hinkt!
Ihre Sehnsucht nach einem Freiheitsinterface strebt weg von der Kunst, hin zu einem wissenschaftlich elaboriertem Paradies.
Der freie Künstler weiß auch so das er Funktion ist; aber nicht in ihrem Sinne, sondern in seiner Demut vor der Schöpfung.
Ihre Skalierung von Freiheit ist nur Ausdruck ihrer allzu menschlichen Angst. Sich auf den Freiheitsprozess einzulassen bedeutet aber nicht angstfrei durch die Welt zu tanzen.
Es bedeutet an den Ängsten zu wachsen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
Ängste sind Instanzen des Geistes.
Erst im Prozess des Individuums seine eigenen Grenzen immer wieder neu zu definieren, eine Lebensform zu entwickeln, können die Angstinstanzen überwunden werden.
Es ist eine Entwicklung und kein Zustand an dem ich interessiert bin.
Ihre Vision könnte man aufgreifen um einen Science Fiction Roman zu schreiben.
Die Technologie entwickelt tatsächlich so ein Interface der Freiheit.
Die Menschheit wird von allen Ängsten befreit.
Die Wissenschaft verliert jegliche Demut.
Der Urknall wird reproduziert.
Leider war die entfachte Energie so groß, dass dabei die Erde ausgelöscht wurde.

Dienstag, 22. April 2008

unter wasser

unter wasser

die unendlichkeit ist nicht kreisartig flüstert der kraken den wirbelnden fischen zu
die idee liegt über allem
summen die fische im chor
bewegung ist der zündende funke
die wahrheit hinter den dingen
das salzige wasser umspült die dröge erkenntnis rund um des malers pinsel
der energetische fluss geht direkt durch sein körper zu den sternen
dreibeinig steht er nun da
geistig fixiert
seine innere stimme fordert natürlichkeit vor neuheit
der wal gibt ihm zum trost ein wir
jetzt hängt alles an der linearen strahlung
der maler schwitzt
überwinden stöhnt er
überwinden
die zwiesprache wird zur gebrauchsanleitung
alles läuft mit schweizer präzision
3,14159...
2,7182...
innen an außen – außen an innen
bitte lösen : schwer kraft zu finden
aufatmen mit leichtigkeit
bin ja unter wasser denkt er
jetzt synchron mit x
jetzt synchron mit y
jetzt synchron mit z
durch herz geist und seele dringen bewegung und gegenbewegung
er weint !
der weg durch die hölle ist einsam
der energetische fluss degeneriert den künstler zum werkzeug im universum
tröstet aber über die einsamkeit hinweg
eine qualle spendet licht
die schildkröte schwört auf ihr altes rezept
einmal in den salat pissen kräftig rühren und runter damit
anschließend alles wieder auskotzen und die ursuppe bewundern
damit grundieren - damit farben mischen - damit malen
so einfach ?
in einem selbstversuch ließ der künstler sich zuvor ans kreuz nageln
nach geraumer zeit kam die von der schauspielagentur bestellte maria
sie half ihm auf seinem weg durch die wüste ins totenbett
der notarzt (ein halbgott) konstatiert später alle lebenswichtigen funktionen wieder hergestellt
maria geht
beide schlafen eine nacht lang rechts drehend
im traum wird er schwanger
wie die pinguine verteidigt er das neue leben in aller stille vor bedrohungen
zeitliche und räumliche entfaltung im bauch
das leben setzt sich aus gliedern und verschiedenen dimensionen zusammen
die zeitliche ist nur im traum sehr gut
dennoch unter wasser kann er wenigstens eine ausreichende zeitliche form ersinnen
die raumzeit scheint abgelaufen
die planeten müssen neu ausgerichtet werden
das uralte wissen dazu steckt in allem was das menschliche gehirn wahrnehmen kann
zum glück
zischt der frisch gebackene superstar am ereignishorizont
er entgeht nur knapp der inversen zentrifugalkraft eines schwarzen loches
wie schaffen wir es eine mehrdimensionale gleichzeitigkeit synthetisch zu manifestieren ?
ein einzelner ton löst sich vibrierend aus dem schlund des künstlers
mit unglaublicher kraft wird der ton immer reiner
blau nähert sich der pinsel der deformatorischen notwendigkeit von zweidimensionalität
ein haifisch ermahnt zur genauigkeit und zur messbarkeit
im zwielicht des ozeans wird der wunsch schwarz und weiß abzustufen zur sucht
mal süß
mal salzig
kommt die farbe daher
jetzt löst sich der kreative schöpferische prozess
entzug des ICH's auf teufel komm raus
in der dämmerung ein zaghafter tanz um die mitte herum
der künstler verliert nach und nach den bezug zur horizontalen und zur vertikalen
hier unter wasser schwebt er in einem zwischenreich
dies ist nicht die einzige aller welten mahnt das frische rot
muscheln setzen sich auf die leinwand
sie erinnern an vergangene schätze
nun ist das wachstum unaufhaltbar
die schnöde schönheit wird zum passiven ereignis
der gedanke strebt seiner fortpflanzung entgegen
die energie floss perfekt dosiert in den grenzen menschlicher physiologie
radikal musste das palimpsest wieder überschrieben werden
die frage : delete ?
die antwort : yes to all !
mit liebe gelöscht, kichert der delphin und verlässt das atelier

©

Montag, 21. April 2008

Collage

IMG_0047
.
Mein neuestes Werk :
"go to"

Mittwoch, 16. April 2008

punkt

'
Siris-Bild
'
plus und minus
nord und süd
begraben, beerdigt, bestattet
tief unter ihren gräbern
ruht der punkt
von hier kommt die bewegung
zyklische erneuerung löst sich wellenartig auf
durchdringt raum und zeit
irgendwo verbinden sich drei kreise
ein haltbares geflecht
flucht.
ruhe.

©

Dienstag, 30. Januar 2007

Kampfscene aus der komisch - phantastischen Oper "Der Seefahrer" von P.Klee

4010-Sindbad-der-Seefahrer-Poster

leuchtend rot fast orange tropft es von seiner lanze
stolz hält er das gleichgewicht im schmalen boot
während die drei ungeheuer sich nähern
es ist ein einsames treffen mitten in den gewässern der riesenhöhle
sanft fällt das licht auf die scenerie
silbern reflektieren die schuppen
kühl fixieren ihn die augen der biester
gnadenlos ausbalanciert gehen die hiebe auf das monster nieder
maskenhaft schaut der held den dreien entgegen
mann und boot bilden eine einheit
die durch nichts aus der ruhe gebracht werden kann
phantastisch bizarre körper schieben sich unaufhaltsam näher
die leiber sind weit größer als das boot
mit mächtiger lanze werden die angriffe aufgehalten
den ungeheuern wird einhalt geboten
ein rasternetz von kobaltblau umgibt die kämpfenden
die nacht umschmeichelt rot und grün die figuren
die schlacht hat erst begonnen

Montag, 3. April 2006

EinSAMkeit

EinSAMkeit

Vorsichtig springe ich von einem Blatt aufs nächste.
Der freie Flug stets ausgefüllt mit traumhaften Sequenzen.
Mit weit geöffnetem Mund atme ich den Raum ein.
Zunächst nur einen Teil doch schon bald größere Felder und Kammern.
Einem Uhrwerk gleich winkele ich die Füße zur Landung an.
Punktgenaue Landung, zentriert abgefedert, um sogleich elegant die Muskeln zum nächsten Satz zu straffen.
Während mein Blick durch den Raum gleitet verfängt er sich an verführerischen Erscheinungen.
Ich fokussiere mich auf die wunderbaren Formen,die sanften Stimmen und nähere mich.
Die Genauigkeit kommt mir abhanden die Ziele verschwimmen.
Meine Hand versucht die Schönheit zu fangen, meine Ohren die Klänge zu definieren, meine Nase die Nuancen zu differenzieren.
Die Daten entziehen sich jeder Form.Je dringlicher der Wunsch des Erfassens desto flüchtiger wird sie und sie und sie -
Verspannt und überfordert wende ich mich ab.
Ich rufe mir Worte in die Erinnerung um das Wesentliche zu verdichten.
Ach ja EinSAMkeit.
Auf diesem Worte kann die Kunst keimen und zarte Formen sich entwickeln.

©

Montag, 6. März 2006

Austellung in der Hansastraße 48

Gemeinschaft
Gemeinschaftswerk

Die letzte Woche war seit langer Zeit mal wieder eine wirklich schöne.
Es hat mich zwar unheimlich viel Kraft gekostet, aber es hat sich in jedem Fall gelohnt.
Am Donnerstag abend haben die Kinder vom ZBBS (Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für MigrantInnen in Schleswig-Holstein e.V.) ihr Theaterstück " versteh' ich nicht " aufgeführt.
Bei den Kindern handelt es sich um Flüchtlinge.
Sie kommen zu uns aus lebensbedrohlichen Situationen und landen in der Warteschleife und immer öfter führt ihr Weg zurück in dieselbe gefährliche Realität im Heimatland.
Auf ihrem Flug zwischen den Welten halten sie kurz inne und gewähren uns Einblick in ihr Dasein in Deutschland und lassen uns an ihren Träumen,Sehnsüchten und Wünschen teilhaben.
Ihr Theaterstück entwickelten die Kinder mit Gundula Runge und Ulrike Krogmann.
Mit derselben Gruppe habe ich ein Malereiprojekt in den Wintermonaten durchgeführt.
Malen nach tonalen Vorgaben.
Ein experimentelles Unterfangen bei dem die Musik eine Unterstützung für freie Bewegung und Öffnung des Geistes im kreativen Prozeß darstellte.

raumaufgabe

Während des Projektes haben die Jugendlichen zu Jazzmusik,klassischer Musik und der Musik von DJ PAT gemalt.

imm024_24A

Im Rahmen der Aktion sind auch großformatige Gemeinschaftsbilder und bemalte Objekte entstanden.
In einer Hauruck Aktion habe ich die Rahmen und Podeste des Kunstinstitutes abtransportiert um dann mit meinen Mitstreitern Pat und Yasemine die Austellung in der Hansastraße 48 am Donnerstag Vormittag aufzubauen.
Punkt 12°° Uhr waren wir fertig und ich konnte meine Schicht beim Spar antreten.
Kurz vor 19 °°Uhr bin ich dann von der Schicht zurück zur Hansastraße geflitzt.
Gerade rechtzeitig zur Aufführung des Theaterstückes.
Davor sollte ich mit Yasemine eine kleine Eröffnungsrede halten -
Streß,Müdigkeit und Lampenfieber ließen die möglichen großen Worte auf ein klägliches Minimum schrumpfen.
In soma --- viel Spaß -
Trotz dieser kleinen Enttäuschung, ob meines Unvermögens auf einer Bühne ein paar klar formulierte Worte zu finden, war der Abend sehr schön !

Raum

Sämtliche Menschen die mit mir sprachen waren voll des Lobes.
Die Jugendlichen waren beeindruckt wie die Bilder in der Präsentation wirkten.
Balsam für die Seele

Mittwoch, 22. Februar 2006

Zarte Brüste

tosc21

In einem Kloster mitten in der Toscana habe ich ein spannendes Fresko gesehen.
Abgesehen von den tiefen seelischen Auseinandersetzungen denen ich mich während meines mehrwöchigen Aufenthalts in dem Kloster hingegeben habe, hat mich das Motiv des Freskos immer wieder beschäftigt.
Jesus ist in diesem Fresko als androgynes Wesen dargestellt und bei genauerem Hinsehen hat er gar kleine weiblich anmutende Brüste.
Ich frage mich wieso dieses Bild so wenig Beachtung gefunden hat.

Mittwoch, 15. Februar 2006

Marie

fuer-marie


Vielen dank für den mutigen Anruf !
Hier das versprochene Pferd.

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Reiner von Vielen heute. Schaffe es leider doch nicht....
404 - 10. Mai, 14:22
encantado :°)
encantado :°)
Reh Volution - 1. Mai, 17:21
gefällt mir - sehr...
gefällt mir - sehr ..... :o)
Sun-ray - 1. Mai, 16:58
gefällt!!
gefällt mir gut die collage! heute ist erster...
a.nonym - 1. Mai, 09:55
Sehr gut ! Hab schon...
Sehr gut ! Hab schon eines bestellt und bin gespannt...
Reh Volution - 30. Apr, 19:55
Gedichtekarussell
Bestellungen kann man jetzt hier im Formular eingeben....
pinolino - 30. Apr, 11:20
Unter den Umständen...
Unter den Umständen : Wie wäre es mit Anus...
Reh Volution - 30. Apr, 11:11
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